Bonfire of Vanities Revisited

Günter Nowak

„Namlich so sollen soliche hewser Fromen Armen taglönern und handtwerckern und burgern und inwonern dieser stadt Augsburg, die es notturftig sein und am besten angelegt ist, umb gottes willen gelichen und darin weder schankung muet und gab nit angesehen ...“

Maturareise anno 78
Ich bin dabei gewesen. Es scheint der 26. August 1978 gewesen sein. Da ich kein Tagebuch führe muss ich mich auf andere Quellen verlassen. In diesem Fall ist davon auszugehen, dass das Datum zuverlässig ist, die Uhrzeit dürfte kurz vor Mittag gewesen sein. Rund 10 Wochen zuvor hatte ich auf Anhieb die Matura absolviert und die folgenden 7 Wochen am Westbahnhof, Gasgasse 12, Verladestelle 2 – Paketabteilung der Post – verbracht. Soweit ich mich erinnere war es ein sehr heißer Sommer – das hieß in den späten 70er Jahren des 20. Jahrhunderts so um die 25 Grad Höchsttemperatur - und im Hornyphon-Transistorradio erfuhr ich u.a. dass Hans Krankl Deutschland aus Cordoba verabschiedete. Eigentlich kann ich mich daran weniger erinnern als an das darauffolgende Debakel der österreichischen Nationalmannschaft gegen Ernst Happels Holländer. Ansonsten blieb von dieser Episode meines Lebens nur die Erkenntnis, dass sich Maturareisen mit finanziellen Zuwendungen diverser Verwandter offensichtlich einfacher und unaufwendiger finanzieren lassen als mit eigener Hände Arbeit sowie  knapp 50 kg Eduschokaffee (Gala Tropicana ungemahlen), da mir für jede meiner Ausladetätigkeit dieses Produkts mehrere Großpackungen als Trink-„Geld“ überreicht wurden. Im Nachhinein sollte sich dieser Vorrat ebenso als eine der wertvollsten Grundlagen für meine anschließende Studienzeit entpuppen sowie als Ursache meiner lebenslangen massiven Koffeinsucht.
Mit den Einnahmen dieser Wochen finanzierte ich einen Tramperrucksack, einen Aluschlafsack und ein Interrail-Ticket (letzteres um wohlfeile ATS 2.300,-). Meine erste Reiseepisode führte mich per Autostopp nach München, weil im Rahmen von Interrail nur Bahnfahrten im Ausland durch das Ticket abgedeckt waren, für Fahrten im Ausstellungsland aber der halbe Erwachsenenfahrpreis fällig war. Für ein Gesamtreisebudget von ÖS 2.000,- unfinanzierbar und daher via Westautobahn. In München logierte ich ein paar Tage bei einem Bruder meiner Großmutter und erlebte dort auf ZDF am 6.8.1978 das damals schon längst erwartete Ableben von Papst Paul VI. Während im Vatikan die Enklave tagte durchfuhr ich Europa, im wahrsten Sinne des Wortes kreuz und quer. Nach einer überaus unerfreulichen Nacht am römischen Hauptbahnhof Roma Termini stolperte ich geradezu – perplex über die Menschenmassen, die sich auf den Petersdom zu wälzten - in das „habemus papam“: Albino Luciani winkte als Giovanni Paolo I. als neuer Papst auch mir zu. 33 Tage später war er tot, Roberto Calvi baumelte an einem Seil über der Themse, man munkelte über P2, Mafia, Andreotti und der Banco Ambrosiano und überhaupt waren krude Verschwörungstheorien und reale Paranoia in diesen Tagen kaum mehr unterscheidbar.
Purgatorium
Nicht nur ich habe mit Religionen erhebliche Probleme, sie haben solche auch zur Genüge mit sich selbst. Diverse kleine Missverständnisse, Interpretationsspielräume, übersetzungstechnische Probleme werden traditionell durch und mit Feuer – in jeglicher verfügbarer Spielart – behoben. Nichts brennt so gut wie Ketzer, auch wenn sie nur ganz dürre Bettelmönche oder ausgemergelte Betschwestern sein mögen. Abgesehen vom kalorischen Brennwert hat Feuer seit der Antike unbestrittenermaßen auch reinigende Wirkung und wirkt insofern quasi doppelt, jedenfalls aber nachhaltig. Nur wenn die innerreligiösen Widersprüche so massiv werden, auf diese unbestreitbaren Vorteile eines Scheiterhaufens zu nutzen oder die Unwägbarkeiten eines geringfügigen Krieges in Kauf zu nehmen, greift man zur Dogmatik und bedient sich aus der Geschichte (erforderlichenfalls unter Kreation der notwendigen Unterlagen und Dokumente). Religionen sind im Prinzip strukturgewordene und systemische bipolare Störungen, d.h. im Idealfall wissen und unterscheiden sie genau zwischen weiß und schwarz, hell und dunkel, gut und böse. Nun gibt es aber auch im religiösen Zusammenhängen außerplanmäßige Umstände, die mehr oder minder geringfügige Anpassungen der Wahrheit an diverse Umstände erforderlich machen kann: So im Rahmen des katholischen Lehre der ärgerliche Umstand, dass das nach Ableben verbleibende Alternativenpaar Himmel versus Hölle, sich unter Umständen als ein bisschen sehr rigide erweisen können. Obwohl es sich insbesondere bei der Hölle um eine, durch die antike griechische Tradition des Hades bzw. die römische des Orcus, bereits bestens eingeführte Trade-Marke handelte, erkannten schon frühe Kirchenväter ein gewisses Dilemma und konstruierten daher diverse Zwischenlösungen: Fegefeuer und Limbus. Letzterer würde eine gesonderte Abhandlung verdienen, ist aber mittlerweile wieder abgeschafft und somit eine der Fußnoten der Irrtümer des unfehlbaren Ganzen. Daher zum Fegefeuer: Obwohl in der Bibel keinerlei Hinweis auf ein Fegefeuer existiert, glaubte der griechische Theologe Origenes (um 200 n. Chr.) zwischen den Zeilen Hinweise auf einen solchen Ort der Läuterung zu entdecken. Dort sollten Seelen vor ihrer Einkehr in die Ewigkeit von ihren Sünden gereinigt werden, um nichts Böses mit sich in den Himmel zu nehmen. Für jeden Tag der Sünde auf Erden errechnete Origenes ein Jahr Fegefeuer. Von nun an geisterte das Konzept der vorhimmlischen Qual durch die theologische Diskussion. Augustinus sprach in seinem Gottesstaat von einer notwendigen Reinigung jeder Seele, die jedenfalls vor dem Jüngsten Gericht, d.h. gegebenenfalls auch nach dem Tod, stattfinden müsse. Die Lehre vom Fegefeuer knüpfte biblisch an die Korintherbriefe an, wonach die Werke des Einzelnen im Jüngsten Gericht im Feuer geprüft werden. Dies deutete der Augustinus dahin, dass es auch möglich sei, dass die Seelen von Gläubigen auch erst nach deren Tod durch Feuer geläutert werden könnten, also letztendlich alles Irdische aus ihnen ausgebrannt werde. Ausgehend von diesen Gedanken postulierte Gregor der Große, „dass es vor dem Gericht für gewisse leichte Sünden noch ein Reinigungsfeuer gibt“ (konkret handelte es sich dabei um leichte Zweifel am Wirken des Heiligen Geistes, obwohl zu sorgloser Umgang mit der Dreifaltigkeit innerhalb einer an sich monotheistischen Religion in der Praxis ohnedies eher direkt ins Feuer als ins Fegefeuer führte). Papst Gregor etablierte damit das Fegefeuer fest in der damaligen Glaubenslehre und verfestigte damit nicht nur einen der massiven Widersprüche zwischen Rom und Orthodoxie, leistete nebenbei eine Vorarbeit für die spätere Kirchenspaltung mit den Protestanten, sondern lieferte damit die Basis für eine – aus Kirchensicht - noch viel verheerendere Entwicklung. Ab dem 12. Jahrhundert war die Vorstellung eines Fegefeuers endgültig im Volksglauben fest verankert und auch die Bezeichnung Fegefeuer wurde gebräuchlich; die Kirche bevorzugte den alternativen Begriff des Purgatoriums, den erstmals nachweislich der Erzbischof von Tours, Hildebert von Lavardin († 1133) verwendete. Dessen Konzept und Lehre wurde schließlich von Thomas von Aquin weiterentwickelt und innerkirchlich durchgesetzt.
Nutzen und Mehrfachnutzen
Das Konzept einer Vorhölle eignete sich aus Sicht der Kirche perfekt für einen differenzierteren Umgang mit Sünden und deren Folgen  nach Ableben. Für welche Sünden die Hölle blühte und wovon man sich freikaufen konnte, wurde in zunehmendem Maße gestaltungsfähig, die Vorstellung einer nur begrenzten Sühne für irdische Schandtaten im Fegefeuer implizierte auch die Möglichkeit einer Verkürzung dieser Phase. Während zunächst noch durch Gebete und gute Werke Ablässe auch für Verstorbene im Fegefeuer erreicht werden sollten, wurde das Ablasswesen zunehmend in Form von Geldspenden an die Kirche bestimmt. Mit den Einkünften aus dem Ablasshandel konnten die Päpste beträchtliche Geldsummen aus ganz Europa nach Rom lenken. Eine Schlüsselrolle kam dabei Albrecht von Brandenburg, Bischof von Magdeburg, Halberstadt und Mainz zu. Dieser hatte mit dem Papst einen massiven Ablasshandel durch den Dominikanermönch Johann Tetzel in Gang gesetzt, wobei Albrecht seine Provisionen aus dem Ablasshandel primär dafür nutzte, seine Schulden beim Bankhaus Fugger zu tilgen.

Der Reiche
Die Grundlagen des modernen Bankwesens gehen ebenso wie viele Aspekte der modernen Betriebswirtschaft auf Erfindungen in den norditalienischen Städten des Spätmittelalters und der frühen Renaissance zurück. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass in den 70er-Jahren des 14. Jahrhunderts ein junger Mann aus einer aufstrebenden Händlerfamilie aus Augsburg nach Venedig geschickt wurde, um sein Metier von der Pike auf zu erlernen. Sein Name war Jakob Fugger und er wird später nur mehr als „Der Reiche“ bezeichnet werden: Fugger sollte dann die Politik des gesamten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation maßgeblich bestimmen, indem er u.a. Kaiser Maximilians I. finanzierte und im Jahr 1519 durch Bestechung der Kurfürsten mit mehr als 800.000 Gulden den spanischen Habsburger als Karl V. auf den Kaiserthron brachte, den Herrscher in dessen Reich die Sonne nicht mehr untergehen würde.
Fugger besaß mit seiner Montanproduktion sowie seinem Handels- und Bankhaus de facto ein Monopol auf die gesamte Silber- und Kupferproduktion in Mitteleuropa, kontrollierte den Quecksilber- und Zinnoberabbau und war bereits im Überseehandel aktiv. Er setzte dabei auf ein weltweit tätiges Beziehungsnetzwerk aus und für damalige Verhältnisse moderne Kommunikation: Binnen sieben Tagen konnten seine Pferdestaffeln Post, Briefe, Warenproben oder Geld von Augsburg nach Venedig schaffen, Fugger unterhielt auch einen europaweiten Nachrichten- und Wirtschaftsspionagedienst, dem viele Agenten zuarbeiten, und der besonders eilige Nachrichten auch mithilfe von Lichtsignalen und Spiegeln übermittelte. So gelangten Informationen aus den südspanischen Quecksilberbergwerken innerhalb von nur zwei Stunden in die Zentrale nach Augsburg. Um den Überblick über seinen multinationalen Konzern zu behalten, führte Fugger nach italienischem Vorbild die doppelte Buchführung in seinem Konzern ein und entwickelte ein differenziertes Archiv mit allen Verträgen und Schuldscheinen.
Eine Person wie Jakob Fugger und all seinen Epigonen ist nur möglich und denkbar, weil die Kirche im 13. Jahrhundert mit der theologischen Erfindung des Purgatoriums einen Schritt in Richtung der aufstrebenden Kaufleute und ersten Banker getan hatte, indem sie diesen durch die Etablierung des Fegefeuers eine Möglichkeit bot, trotz ihrer verworfenen Berufe und mit Höllenqualen bedrohten Tätigkeiten, doch noch irgendwann in den Himmel zu gelangen. Zins und Wucher waren den katholischen Hütern bis dahin Teufelswerk gewesen. Das blieben sie zwar weiterhin, allerdings bot nun das Fegefeuer einen Ausweg aus dem bis dato herrschenden Jenseits-Dualismus aus ¬Himmel und Hölle: Der Banker wurde ab dem 13. Jahrhundert nicht mehr direkt zum Teufel geschickt, sondern konnte, nach einer Zeit der Reinigung, letzten Endes doch noch das ewige Leben erfahren. „Nur die Hoffnung, der Hölle zu entkommen, erlaubte es dem Wucherer, Wirtschaft und Gesellschaft des 13. Jahrhunderts auf ihrem Weg zum Kapitalismus ¬voranzutreiben", schreibt der Franzose Jacques Le Goff in seinem Essay „Wucherzins und Höllenqualen".
Jakob Fugger starb am 30. Dezember 1525 als einer der reichsten Männer Europas. Seine Erben durften sich über ein Vermögen von etwa zwei Millionen Gulden freuen. Innerhalb der folgenden 40 Jahre konnten diese den Firmenwert noch rund verdreifachen, was zu diesem Zeitpunkt annähernd zehn Prozent des Volkseinkommens des gesamten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation entsprach.
Unfuggerei
Zum großen Widersacher Jakob Fuggers wurde Martin Luther. Und dieser griff den Banker gleich an mehreren Fronten an: Luther bekämpfte Zins und Wucher, verneinte die Existenz eines Fegefeuers und warf Fugger persönlich vor, Massengüter bewusst zu verknappen, um die Preise hochzutreiben.
Jakob Fugger beobachtete seinen Kritiker genau. Und so hatte er noch vor Luthers Thesenanschlag von dessen Ideen und Plänen erfahren. Dessen Kritik am Konzept des Fegefeuers und die Möglichkeit des Ablasses betraf nicht nur sein Seelenheil und würde ihn direkt in die Hölle verdammen, insbesondere Luthers Angriff auf den Ablasshandel betraf direkt auch die wirtschaftlichen Interessen des Bankhauses Fugger, das mit damit einen Großteil seines Umsatzes erwirtschaftete: Vor allem der schwunghafte Ablasshandel des Predigers Tetzel wurde über das Bankhaus Fugger abgewickelt und mit diesen Geldflüssen wurde nicht nur der Petersdom in Rom, sondern auch war auch die Kaiserwahl Karl V. finanziert worden. Innerkirchlich wurde auf diesem Weg auch Mittel abgezweigt, mit denen sich Albrecht von Brandenburg seine weltlichen und kirchlichen Würden erkauft hatte.
Fugger erkannte die vielfältige Gefahr die ihm durch Luther drohte und so traf sich auf seine Initiative im Jahr 2015 der päpstliche Legat Cajetan mit dem lästigen Mönch in Fuggers Haus in Augsburg, um diesen ruhig zu stellen. Als eine Einigung misslang, bot Fugger den prominenten Theologen Johannes Eck auf, der den von den Fuggern geforderten fünfprozentigen Zins theologisch unterfüttern sollte und von Fugger und dem katholischen Klerus in Folge als Gegenspieler Luthers ausgespielt wurde. Es bleibt zweifelhaft, ob ohne diese Aktivitäten Fuggers im Vorfeld des wittenbergischen Thesenanschlags, Luther und seine Botschaft überhaupt auf größere  Aufmerksamkeit gestoßen wären. 
Luther selbst war sich der propagandistischen Wirkung dieser Auseinandersetzung mit dem mächtigsten Mann des deutschen Reichs durchaus bewusst und nannte den Banker einen „Hecht, der die anderen Fische frisst“. Er verbreitete diesen Vorwurf auch in Form einer Schmähschrift, die volkstümlich bald als sogenannte „Unfuggerei“ bezeichnet wurde und dank Gutenberg in deutschen Landen vielfach Verbreitung fand.

Der Kardinalfehler
In Folge zerriss es die Kirche. Bereits das Konzept des Fegefeuers markierte eine der unüberbrückbaren Klüfte zur griechischen Orthodoxie. Der Protestantismus würde zwar später ebenso wie der Katholizismus theologische Grundlagen des modernen Kapitalismus liefern, vorher spaltete und verwüstete man aber noch den Kontinent.
Die atavistischen Folgen der Kirchenspaltung hinterließen auch nach Augsburg und dem westfälischen Frieden ein Europa, das auf weitere Jahrhunderte der permanenten gegenseitigen Zerfleischung wartete. Man musste nur Atem holen und für neue Heere nachzüchten. Die Ausweichlösung zu den Höllenqualen entfesselte aber eine neue Kraft. Menschen, die nicht mehr aus Gottesgnadentum, sondern aus eigener Leistung zu Wohlstand und – wie Fugger – zu unglaublicher Macht im Diesseits gelangten boten ein gefährliches Gegenkonzept zur kirchlichen Heilslehre und dessen ausschließlich duale Jenseitsbezogenheit. Der Apfel der Erkenntnis konnte nun gepflückt und seine Frucht in den nächsten Jahrhunderten weit verteilt werden.
Das Fegefeuer hatte der Hölle deutlich an Hitze genommen, und die Kirche primär für den Mammon ihre abgründigste Waffe der Weltlichkeit geopfert.
Noch fataler für sie aber sollte sein, dass die Kirche selbst im dem Moment das Fundament für den Relativismus lieferte als sie den strikten Dualismus zwischen Himmel – Hölle, gut – böse, Erlösung - Verdammnis aufgab. Grautöne taten dem Absolutismus des kirchlichen Dogmas nicht gut, und vor diesem Hintergrund wird ein Diderot einmal seine Encyclopédie verfassen, sein Ko-Herausgeber d’Alembert die Grundlagen des modernen Atheismus entwickeln.
Dadurch, dass die Kirche in Europa sich in ein Naheverhältnis zur Ambivalenz begab, eröffnete sie selbst die Möglichkeit zu Aufklärung und Emanzipation, ein Hintergrund vor dem sich später ihre stärksten Antagonisten entwickeln werden: Kapitalismus und Sozialismus und vor allem der philosophische Relativismus.

Raising hell oder: Not too big to fail
Jahrhundertelang wird die katholische Kirche daran arbeiten, diesen Fehler zu korrigieren. Die religiösen Brüche mit den anderen christlichen Kirchen scheinen dabei aber kaum zu kitten und werden wohl auch eher als Nebenfront betrachtet.
Als erster innerkatholischer Schritt wurde der Ablasshandel Im Jahr 1562 verboten und ist seit 1567 mit der Strafe der Exkommunikation belegt.
Spätestens nach dem Ableben Paul VI. musste man mit der großen innerkirchlichen Revision rechnen, von Johannes Paul I. drohte der unheiligen Allianz Kirche – Kapital an den purgatorischen Kragen zu gehen. Dem Fegefeuer drohte die Einstellung, Zins und Wucher sollten wieder mit Teufel, Pech und Schwefel bekämpft werden, dem Ausbund dieses Arrangements mit dem Relativismus, der Banco Ambrosiano und ihren purpurtragenden Protagonisten drohte Ungemach. Die Personifikation der unheiligen Verflechtung baumelte an einem Londoner Brückengeländer und der Papst starb nach wenigen Wochen seines Pontifikats.
Seine Nachfolger auf dem Thron Petri widmeten sich mit Leidenschaft dem Kampf gegen das Erbe des Fegefeuers nämlich Relativismus, Kapitalismus und Sozialismus.
Der Pole Józef Wojtyła wird als Papst Johannes Paul II nachdrücklich an der Zertrümmerung des Sowjetimperiums mitwirken. Dessen Nachfolger, der vormalige Kardinal Joseph Ratzinger schafft als Benedikt XVI. den Limbus, die Vorhölle für nichtgetaufte Kinder, ab; das Fegefeuer bleibt – noch – intakt. Beide Päpste werden – nachdem der reale Sozialismus als Antagonist erledigt war – neben diversen anderen Nebenfronten, nicht müde, den Relativismus und Kapitalismus als Feinde zu geißeln. 
Ebenso wie dem realen Sozialismus werden aber auch dem Symbol des Bankenkapitalismus seine Grenzen aufgezeigt: Vor einer baff erstaunten Weltöffentlichkeit meldet am 15. September 2008 die Lehman Brothers Holdings Inc mit Hauptsitz New York Insolvenz an. Der US-Finanzminister Henry Paulson, republikanischer Starökonom, Mitglied in der Mehrzahl der wirklich mächtigen Korporationen der westlichen Hemisphäre wie der All Ivy-League,  der All East-League (Vereinigung aller renommierten Universitäten der US-Ostküste) und der Sigma-Alpha-Epsilon-Bruderschaft schickt die traditionsreiche Investmentbank einfach in den Konkurs. Das ungeschriebene Gesetz des „too big to fail“ wird damit außer Kraft gesetzt: Mehr als 25.000 Mitarbeiter der Bank verlieren ihren Arbeitsplatz, der Schaden der Insolvenz ist bis heute nicht restlos geklärt und wird aktuell auf 50 bis 70 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die gesamte Weltwirtschaft steht vor einem Scherbenhaufen und rätselt. Der US-Finanzminister ist nicht nur Mitglied der Studentenvereinigung Phi Beta Kappa und der Pfadfinderbewegung Boy Scouts of America, Henry Paulson Vorsitzender der Christlichen Wissenschaftsorganisation Dartmouth College und vor allem bekennender Christ.

Menschenfeinde
Wie schon oben gesagt, ich war – wenngleich zufällig - dabei und stand mit meinem Aluschlafsack unter zigtausend Kathol-Afacinados an einem heißen Augusttag des Jahres 1978 mitten am Petersplatz und muss auch wohl irgendwo noch ein Foto einer Kodak Instamatic-Kamera haben auf dem kaum was anderes zu sehen ist, als die riesige Front des Vatikans und mitten darin ein weißes Pünktchen, das man mit der Lupe und viel Phantasie als winkenden Mann interpretieren kann.
Die Welt ist nicht mehr so, wie sie damals war. Der kalte Krieg wurde doch nicht ganz heiß, scheinbar unverrückbare Blöcke lösten sich fast über Nacht auf, ganz kurz war sogar das Ende der Geschichte denkbar. Aber wieder taucht der Dämon der Absolutheit auf, Wahrheitsansprüche dulden auch im 21 Jahrhundert keine Alternativen. Die Chance, die sich irrtümlich durch die katholische Konstruktion des Fegefeuers – mit dessen impliziter Ambivalenz und Relativität - aufgetan hatte, könnte vergeben werden. Sie denken in Jahrhunderten und werden nicht ruhen ihre Wahrheit durchzusetzen. Diese kann nur dual sein, ja oder nein; dazwischen gibt es keinen Raum nur Anpassungen an Umweltbedingungen, man sollte es als das interpretieren was es ist - religiöses Mimikry. Sie alle haben nur einen gemeinsamen Feind, die Idee, dass es mehr als eine Wahrheit geben könnte, dass das Konzept einer Wahrheit an sich die Ursache des Übels ist, auch wenn dieses offensichtlich hochkompatibel mit bestimmten Verschaltungen im menschlichen Gehirn ist. Noch brauchen sie das Fegefeuer als Kompromiss, das Ziel dahinter aber ist es wieder den richtigen, gottgewollten Zustand von Fug und Recht herzustellen.
Mit dem Unfug von Aufklärung und Relativismus ist aufzuräumen, bevor das Armageddon den Besitz der letzten Wahrheit entscheiden wird.

Epilog
Jakob Fugger war aber nicht nur ein Epigone eines neuen Menschenbildes und der Prototyp des skrupellosen Kapitalisten, er schuf mit seiner Fuggerei in Augsburg auch die älteste heute noch bestehende Sozialsiedlung der Welt und damit das Muster einer lebenswerten Welt schon in dieser Welt. Er eignet sich insofern auch als Role-Model eines „guten Bankers“, weil er nicht nur durch Ablasszahlungen und delegierte Wallfahrten seine Zeit im Fegefeuer verkürzen wollte. Fugger legte eigenes Sonderkonto „St. Ulrich” für kulturelle, religiöse und karitative Zwecke an. 1514 begann er mit den Planungen für den Bau der Fuggerei: Das Ensemble mit acht Gassen und drei Toren ist eine Stadt in der Stadt mit eigener Kirche, Stadtmauern und Stadttoren, 67 Häusern mit 140 Wohnungen eigenem Brunnen und Verwaltungsgebäude. 150 Augsburger leben in den Wohnungen, die etwa 60 qm groß sind. Die Aufnahmebedingungen sind die gleichen wie vor 500 Jahren: Wer in der Fuggerei wohnen will, muss Augsburger, katholisch und unverschuldet in Not geraten sein. Die Jahres(kalt)miete für eine Wohnung in der Fuggerei beträgt bis heute den nominellen, inflationsunbeachteten Wert eines Rheinischen Gulden (umgerechnet 0,88 Euro), der Rest wird aus Mitteln der Stiftung finanziert. Nebenkosten in der Höhe von EURO 85,- haben die Mieter zu tragen. Teil des Mietvertrags ist aber bis heute, dass die Mieter für die Seele Jakob Fuggers im Fegefeuer beten sollen.