Die Krachmann-Preisträger

2015: "Freitag"

  • Bernhard Mitterer
    Freitag, 13. September 2014

    Meine Sinne spüren Gefahr, von weitem ein Geräusch. Es ist ganz dumpf und leise, ich hoff, dass ich mich täusch. Ich liege doch noch im Bette, über mir meine wohlig warme Decke. Diese schützt mich vor der Außenwelt und vor Gefahr, meinen Gedanken sagen, nein, das ist aber jetzt nicht wahr. Langsam, ganz langsam kommt es näher das Geräusch, ich denke immer noch, dass ich mich täusch. Es wird lauter. > mehr

2014: "Fug und Unfug"

  • Christian Ondrak
    Mein Hund liest Wittgenstein

    Ich habe nicht mehr allzu viel Zeit dies niederzuschreiben und ich glaube auch, dass Sie diesen Brief als das wirre Geschreibsel eines Irren betrachten werden. Trotzdem möchte ich versuchen Ihnen meine Sicht der Geschehnisse darzulegen, die zu meiner jetzigen Lage geführt haben.

    Es war kurz nach der Zeugnisverteilung und ich hatte die Tatsache, dass ich diesen miesen kleinen Haufen an ignoranten, desinteressierten, rotzfrechen und präpotenten Schülern die nächsten Wochen nicht mehr sehen und Unterrichten musste ein wenig gefeiert. Ebenso würde Agnes, meine mir Zugemutete, wie gewöhnlich alleine, oder besser gesagt ohne mich, irgendwohin ans Meer verreisen, was ebenfalls ein Grund für eine Feier war. > mehr

2013: „Kreisverkehr“

  • Bernhard Schausberger
    Kreisverkehr

    Woher kommst Du? Wohin gehst Du?
    Señor, señor, can you tell me where we‘re headin‘? Lincoln County Road or Armageddon? Seems like I been down this road before. Is there any truth in that, señor?
    Von Hand gepackt und auf Schiene gesetzt und wie von einer fremden Hand gesteuert geht es los. Ein Alptraum für den Einen, ein Traum für den Anderen. Sich zurücklehnen und losfahren oder losgefahren werden. Der Motor heult auf, seine Kraft drückt Dich nieder, der Fahrtwind donnert los: das war’s: diese ersten Sekunden! > mehr

2012: „Das alte Lied der Taiga“

  • Stefan Loicht
    E5

    Emir war schon eine ganze Weile in seinem etwas zerknörzten und speibfarbenen B-Kadett unterwegs, als sie kurz vorm Walserberg (der ihm immer im Gedächtnis bleiben würde, da dort zwei gelbe Häuser mit den slawisch klingenden, aber nichts bedeutenden Aufschriften „Adatsch“ und „Öamtsch“ standen) im Autoradio – das er sich zusammen mit dem beschädigten Opelblech rundherum vom Lohn, den er während seinem einjährigen Praktikum bei einem süddeutschen Anlagenbauer bekam, kaufte – schon wieder diesen unsäglichen Schlager spielten: irgendwas mit Taiga und Sehnsucht. So grotesk schlecht dieses Lied auch war, unweigerlich weckte es sofort die Erinnerung an Natascha. Natascha, die Studentin der technischen Mathematik aus Omsk. Zwei Jahre ist es nun schon her, dass sie sich bei einer Studienreise zum Traktorenwerk „Ruhmreiche Furche der Sowjetunion“ in Nischni Nowgorod kennen lernten.  > mehr

2011: „Das Ding an sich“

  • Christian Weimann
    DAS DING AN SICH

    Die wenigen, zwar nicht gelungenen, dem Publikum jedoch scheinbar bekömmlichen Pointen meiner bisherigen, längst gnädigem Vergessen anheim gefallenen Beiträgen zur Waldviertler Weltliteratur basierten ausschließlich auf einer gewissen Schlüpfrigkeit, um nicht zu sagen Verderbtheit. Ich bedaure dies zutiefst, weise jedoch jede Verantwortung für diese Misere weit von mir. Die vorgegebenen Themen erzwangen dies und ließen keine andere Wahl.
    Und so durchströmt mich nun ein Gefühl der Glückseligkeit, „das Ding an sich“ einer genauen Betrachtung zu unterziehen. Eine Aufgabenstellung dieser tiefen philosophischen Reinheit verbietet jedes Abgleiten in unreines Gedankengut. Aus der Sicht des modernen und gebildeten Mannes – ausschließlich aus dieser ist mir ein Zugang möglich – bleibt kein Raum für Zweideutigkeiten. Dieses Thema ist völlig eindeutig
    ... > mehr

2010: „Die Frau ohne Eigenschaften“

  • Markus Steinbichler
    Die verborgenen Eigenschaften der Elfriede F.
    Ein stiller Abgang im Land der 1000 Hügel

    Elfriede F. stand, wie so viele Sonntage zuvor im letzten Jahr, am Fenster der trotz aller Anzeichen der Verwahrlosung eines jahrelang leerstehenden Hauses gemütlich wirkenden Stube ihres Elternhauses im Land der 1000 Hügel, der Buckligen Welt. Man stelle sich ein kleines, ebenerdiges, höchstwahrscheinlich schon jahrhundertealtes Bauernhaus am Waldrand vor, mit einem schmalen, wetterseitig etwas weiter vorgezogenen Schopfwalmdach, unter welchem ein kleines, etwas zugiges Stubenfenster geduckt wie auch geschützt auf die restlichen neunhundertneunundneunzig Hügel der Buckligen Welt guckt... > mehr

2009: „Großer Bahnhof“

  • Günter Nowak
    Großer Bahnhof

    Wahrscheinlich ist sie dort angekommen. Sicher kam sie mit der Bahn. Es war das zweite Jahr des großen Schlachtens und man war damals schon viel weniger begeistert vom Hurrageschrei und „Serbien und dessen Sterbien“. Trotzdem kam man – wenn man Arbeit suchte - immer noch ins Zentrum des zugrunde gehenden Riesenreichs und fand diese mitunter sogar noch „bei Hof“. In ihrem Fall würde die Arbeit bei Hof die einer Köchin in Laxenburg sein, kochen konnte sie ja von zu Hause her und waschen auch.
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2008: „Volapük“

  • Stefan Wurst
    VOLAPÜK

    Aha. Volapük also. So eine Freude. Nach Esperanto und Pimperanto (© Walter Moers) nun also Volapük. Toll. Stellt sich die Frage, ob man sich zum Thema oder über das Thema verbreitern soll. Letzteres – über das Thema – würde wohl die Behandlung der Frage bedeuten, wie eine gewisse, als loichtlebig bekannte Person – ich nenne keine Namen – Jahr für Jahr ansonsten im Zivilleben weitgehend unauffällige, angepasst–normale Bürger dazu bringt, ja nachgerade dazu zwingt, sich über insgesamt beträchtliche Zeiträume, wenn auch auf weitgehend sinnfreie Art und Weise, so doch intensiv mit einem doch eher absurden Thema zu befassen. >mehr
    Stehmann Victor

2007: „Cuius regio, eius religio“

  • Stefan Loicht
    Eine Suche

    Gestatten, Gottlieb Amadeus Heidenschreck mein Name, ausge-bildeter Wallfahrtswarenhändler von Beruf und damals Kurator des erzbischöflichen Kuriositätenkabinetts. Damals? Lassen sie mich die Zeit und den Bischof verschweigen, das ist besser für Ihr Seelenheil.
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2006: Kein Thema ist diesmal das Thema

  • Spiegelfeld Markus
    Heimat ohne Vollbart. Aus dem Kampagnen-Tagebuch der Herren Meils und Moor

    1. Tag: Samstag, 28. Juni – Linz, die Stadt der Hoffnung. Liebe Freunde unserer Kampftruppe! Gleich vor niederösterreichischen Bartträgern konnten mir heute ihre absolut inakzeptablen Bartstoppeln abscheren! Ein unglaublicher Erfolg.
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2005: "Anzeichen für vulkanische Aktivität in Mitteleuropa“

  • Stehmann Victor
    Anzeichen für vulkanische Aktivität in Mitteleuropa

    06:30 Dunkelheit. Der Wecker plärrt in die Stille. Ein neuer Tag beginnt. Beckmann rollte seinen Körper aus der schützenden Wärme der Decke und kam auf die Beine ... > mehr